Ich
November 21, 2009
Unsere Augen treffen sich
und schon zerfällst Du zu
Scheinen
zu einem roten Cabrio, zu
einem schicken Anzug, zu
einem modernen Laptop
Dein Mund öffnet sich und
ich höre nur Regeln, nur
Zitate von Texten auf Papieren
mit Unterschriften abgesegnet
Es klingt so lächerlich wenn
du das Wort “Ich” aussprichst
Erzähl mir von dir, sage ich,
Und du erzählst mir von deiner
Frau
Glühende Drahtsonnen in der Nacht
scheinen durch nasse Betonwälder
Jede Menge Gnaw Ladys stolzieren
durch das Unterholz der Seitengassen
Was ist es, was sie verschieden macht?
Sie alle nennen sich selbst “Ich”, wo
sollte es da Unterschiede geben
Jede einzelne von ihnen glaubt sie sei
die einzig wahre, etwas ganz besonderes
keine unterscheidet sich darin von den Anderen
Man gibt ihnen Namen, man sollte sie
nummerieren, es macht alles keinen
Unterschied.
Oh was würden sie sich aufregen,
würden anfangen zu gnawen und zu
grargsen, aber das ist man gewöhnt
alle machen es, alle sind sie gleich.
Sie stehen alle früh auf, müssen so viel
erledigen, müssen sich um Kinder kümmern,
müssen arbeiten, sind alle ganz wichtig,
sind alle gleich.
Jetzt zeig mir das “Ich”, zeige mit dem
Finger darauf, sag “Ich bin etwas besonderes”
und beweise es mir, ich will endlich aufhören
darüber zu lachen.
Kaiserslautern, 21. November 2009
It’s Satori Time!
Oktober 30, 2009
“Die Furcht, verletzt zu werden, ist schon
ein Einverständnis mit dem was ist.”
Rolf Dieter Brinkmann, aus Westwärts 1&2
Jetzt kann ich mir leider überhaupt nicht vorstellen, ob diese zwei aus einem sehr langem Gedicht herausgerissenen Zeilen auf die Art irgendeine Wirkung haben, aber mich haben sie gestern umgehauen – selten wurde, meiner Meinung nach, so viel mit zwei Zeilen so treffend und punktgenau und doch vage gesagt wie hier. Wow.
Irgendwie sehe ich da einen Bezug zu einem recht bekannten Zitat:
“Those who would give up essential liberty to purchase a little temporary safety, deserve neither liberty nor safety.”
Benjamin Franklin
… nur geht Brinkmann noch ein Stück weiter, es wirkt allumfassender, packt das Übel an der Wurzel, und das natürlich auch noch auf eine lyrischere Art und Weise.
In solchen Momenten bin ich immer froh, dass ich mich durch solche Bücher kämpfe… weil ich die Hälfte vom Rest überhaupt nicht versteh, bzw. nichts damit anfangen kann, und die andere Hälfte auch nur halbwegs – aber wenn man mal eine Perle findet, dann ist sie auch wirklich was ganz besonderes.
Gnaw Lady
Oktober 30, 2009
Konz, 28. Januar 2009
Konz
Oktober 28, 2009

Wahn
Oktober 28, 2009
Konz, 6. März 2009
smile
Oktober 28, 2009
Konz, 19. Dezember 2008
Der Sonnenschirm
Oktober 27, 2009
Kaiserslautern, 29. April 2009


