Ich
November 21, 2009
Unsere Augen treffen sich
und schon zerfällst Du zu
Scheinen
zu einem roten Cabrio, zu
einem schicken Anzug, zu
einem modernen Laptop
Dein Mund öffnet sich und
ich höre nur Regeln, nur
Zitate von Texten auf Papieren
mit Unterschriften abgesegnet
Es klingt so lächerlich wenn
du das Wort “Ich” aussprichst
Erzähl mir von dir, sage ich,
Und du erzählst mir von deiner
Frau
Glühende Drahtsonnen in der Nacht
scheinen durch nasse Betonwälder
Jede Menge Gnaw Ladys stolzieren
durch das Unterholz der Seitengassen
Was ist es, was sie verschieden macht?
Sie alle nennen sich selbst “Ich”, wo
sollte es da Unterschiede geben
Jede einzelne von ihnen glaubt sie sei
die einzig wahre, etwas ganz besonderes
keine unterscheidet sich darin von den Anderen
Man gibt ihnen Namen, man sollte sie
nummerieren, es macht alles keinen
Unterschied.
Oh was würden sie sich aufregen,
würden anfangen zu gnawen und zu
grargsen, aber das ist man gewöhnt
alle machen es, alle sind sie gleich.
Sie stehen alle früh auf, müssen so viel
erledigen, müssen sich um Kinder kümmern,
müssen arbeiten, sind alle ganz wichtig,
sind alle gleich.
Jetzt zeig mir das “Ich”, zeige mit dem
Finger darauf, sag “Ich bin etwas besonderes”
und beweise es mir, ich will endlich aufhören
darüber zu lachen.
Kaiserslautern, 21. November 2009


